50 Jahre Grone Wirtschaftsakademie: „Weiterbildung räumt Menschen Wege frei“

– Interview mit dem ehemaligen Akademieleiter Martin Vorhauer

Als Martin Vorhauer 2007 die Leitung der Grone Wirtschaftsakademie übernahm, hatte er bereits erste Berührungspunkte mit der Einrichtung. Eigentlich sollte er den damaligen Geschäftsführer unterstützen. Doch daraus wurde deutlich mehr: Bis 2023 prägte er als Akademieleiter die Entwicklung der Grone Wirtschaftsakademie und begleitete zahlreiche Veränderungen im Weiterbildungsmarkt.

Im Rahmen unseres 50-jährigen Jubiläums blickt er auf besondere Herausforderungen, wichtige Entwicklungen und die Bedeutung von Weiterbildung zurück.

Herr Vorhauer, seit wann sind Sie mit der Grone Wirtschaftsakademie verbunden und was war damals Ihr erster Eindruck?

Meine ersten Berührungspunkte mit der Grone Wirtschaftsakademie hatte ich bereits vor 2007, als ich den damaligen Geschäftsführer bei verschiedenen Entwicklungsprojekten unterstützen sollte. Im Jahr 2007 habe ich dann die Leitung der Grone Wirtschaftsakademie übernommen.

Schon damals hatte die Akademie eine besondere Stellung. Sie war innerhalb der Grone-Gruppe die einzige Gesellschaft mit einem umfangreichen Fachwirt-Angebot. Unsere Zielgruppe war anspruchsvoll: Die Teilnehmenden investierten viel Zeit und Geld in ihre Weiterbildung und hatten ein klares Ziel – die erfolgreiche Prüfung.

Wer gute Ergebnisse erzielen wollte, brauchte hohe Qualitätsstandards, zuverlässige Organisation, hervorragende Dozierende und einen engen Austausch mit allen beteiligten Institutionen. Genau das hat die Grone Wirtschaftsakademie damals ausgezeichnet.

Was hat die Grone Wirtschaftsakademie aus Ihrer Sicht besonders gemacht?

Besonders war und ist die konsequente Ausrichtung auf Qualität und individuelle Betreuung.

Unsere Dozierenden waren stets nah an der Praxis und fachlich auf dem neuesten Stand. Gleichzeitig war uns wichtig, dass sich die Teilnehmenden gut aufgehoben fühlen. Das beginnt bereits bei der Anmeldung. Wer Fragen hat oder Unterstützung benötigt, soll jederzeit auf offene Ohren stoßen und mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.

Gerade diese persönliche Betreuung hat die Grone Wirtschaftsakademie über viele Jahre von anderen Anbietern unterschieden.

Welche Entwicklungen haben die Grone Wirtschaftsakademie besonders geprägt?

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Weiterbildungsmarkt stark verändert.

Eine wichtige Entwicklung war, dass ab einem bestimmten zunehmend weitere Anbieter auf den Markt kamen. Auch die Handelskammern begannen, eigene Fortbildungen anzubieten. Die Akademisierung vieler Berufswege nahm im Laufe der Zeit zu. Die Grone Wirtschaftsakademie musste sich deshalb immer wieder neu behaupten und ihre besonderen Stärken sichtbar machen.

Auch politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen hatten großen Einfluss. Die Einführung des Meister-BAföGs – heute Aufstiegs-BAföG – und später der Meisterprämie eröffneten vielen Menschen neue Finanzierungsmöglichkeiten für ihre Weiterbildung.

Ein weiterer Meilenstein war 2011 die Einführung modularer Qualifizierungsangebote und der AZAV-Zertifizierung (früher AZWV). Dadurch stiegen die Anforderungen an Bildungsanbieter deutlich. Konzepte, Qualitätsnachweise, Erfolgs- und Integrationskontrollen wurden zu festen Bestandteilen der Bildungsarbeit.

Nicht zuletzt haben wirtschaftliche Entwicklungen das Nachfrageverhalten beeinflusst. Während beispielsweise Krisen im Einzelhandel die Nachfrage nach entsprechender Aufstiegsfortbildung sinken ließen, sorgten Entwicklungen am Immobilienmarkt für steigendes Interesse an Immobilienfachwirten.

Welche Herausforderung war besonders prägend?

Die Corona-Pandemie war sicherlich eine der größten Herausforderungen.

Innerhalb kurzer Zeit mussten wir den Unterricht digital organisieren. Dabei war unser Anspruch von Anfang an klar: Der Online-Unterricht sollte dieselbe Qualität bieten wie der Präsenzunterricht.

Das war ein anspruchsvoller Prozess. Doch wir haben intensiv daran gearbeitet, digitale Lernformate so zu gestalten, dass Austausch, Betreuung und Lernerfolg weiterhin gewährleistet bleiben.

Warum war Weiterbildung aus Ihrer Sicht schon immer wichtig – und warum ist sie heute wichtiger denn je?

Weiterbildung hat viele Dimensionen.

Sie besitzt einen persönlichen Aspekt, weil Menschen ihre Karriere voranbringen und sich weiterentwickeln möchten. Sie hat einen sozialen Aspekt, weil Lernen gemeinsam mit anderen stattfindet. In Weiterbildungen entstehen Netzwerke, Erfahrungsaustausch und wertvolle Kontakte.

Darüber hinaus hat Weiterbildung eine wirtschaftliche Bedeutung. Teilnehmende profitieren vom Wissen ihrer Dozierenden und vom Austausch mit Fachkräften aus anderen Unternehmen und Branchen.

Gleichzeitig ist Weiterbildung auch ein gesellschaftlicher Faktor. Sie schafft Chancen, fördert Teilhabe und stärkt die Anpassungsfähigkeit von Menschen in einer sich ständig verändernden Arbeitswelt.

Wer lernt, bleibt flexibel. Weiterbildung hilft dabei, sich neuen Anforderungen anzupassen und den eigenen Weg am Arbeitsmarkt aktiv zu gestalten.

Wie hat sich Weiterbildung im Laufe der Jahrzehnte verändert?

Früher wurde Weiterbildung häufig vom Arbeitgeber initiiert und finanziert. Heute erleben wir stärker, dass Menschen selbst Verantwortung für ihre berufliche Entwicklung übernehmen.

Der Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung, beruflicher Veränderung und lebenslangem Lernen ist deutlich gewachsen. Weiterbildung wird zunehmend als Investition in die eigene Zukunft verstanden.

Zum Abschluss: Ein Wort, das die Grone Wirtschaftsakademie für Sie am besten beschreibt?

Wegfreiräumer.

Denn genau das ist Weiterbildung: Sie eröffnet neue Perspektiven, schafft Chancen und räumt Menschen Hindernisse aus dem Weg.

Lieber Herr Vorhauer, vielen Dank für Ihre langjährige Verbundenheit mit der Grone Wirtschaftsakademie und für Ihre Einblicke in die Entwicklung von Weiterbildung über mehrere Jahrzehnte hinweg.

„Die Grone Wirtschaftsakademie ist ein Wegfreiräumer. Denn genau das macht Weiterbildung: Sie eröffnet neue Perspektiven, schafft Chancen und räumt Menschen Hindernisse aus dem Weg.“ (Martin Vorhauer)

Lesen Sie auch das Interview mit der aktuellen Akademieleiterin Anne-May Mallinckrodt.

Martin Vorhauer hat die Grone Wirtschaftsakademie von 2007 bis 2023 geleitet.

Geschrieben von Daniela Schelhase | LinkedIn-Profil Daniela Schelhase – Grone Hamburg | LinkedIn